
Wenn man Sie braucht sind Sie da! Egal wie schlimm die Situation ist – die gut ausgebildeten Helfer der DGzRS sind immer zu Stelle. Alleine im letzten Jahr haben die Einheiten der Rettungsflotte insgesamt 2106 Einsätze durchgeführt, wovon  1182 für den Wassersport waren.

Allerdings gab es einen Einsatzbericht, der besonders erwähnenswert ist und den wir im Folgenden abdrucken.
Rettung aus dem Brandungsgürtel vor Darßer Ort
Der Westsüdwest-Sturm weht mit Stärke neun und bis zu 90 km/h Windgeschwindigkeit, als die Situation an Bord des kleinen Motorkajütbootes lebensgefährlich wird. „Vor uns, hinter uns, neben uns: Ich habe nur noch Wasser gesehen“, erinnert sich Dieter Clasen an bange Momente in den Wellentälern. Bei mehreren Metern Seegang geraten er und seine Tochter Inga Roland am Abend des 29. August 2011 vor dem Darßer Weststrand in eine von Seeleuten besonders gefürchtete Situation: auf Legerwall.
„Brummer“ ist ein zuverlässiges Neun-Meter-Boot. Gebaut als schiffseigenes Rettungsboot hat Clasen viel Vertrauen vor allem in den soliden Rumpf. Am morgen brechen er (70) und seine Tochter (47) nach einem Verwandtenbesuch in Altefähr / Rügen auf, um bei vorhergesagten vier bis fünf Windstärken gegenan den Heimathafen Wismar anzusteuern. „ Ich wusste, dass mein Boot das abkann“, sagt Clasen. Doch es kommt anders. Das Wetter schlägt um. Abends stehen neun Beaufort am Darßer Weststrand. Mit seinem 50-PS-Motor hat „Brummi“ gegenan keine Chance. Bei schlechter Sicht drückt der auflandige Sturm das Boot soweit unter Land, dass es sich nicht mehr aus eigener Kraft freiarbeiten kann – es tanzt auf und ab, wird zum Spielball der Wellen. Legerwall nennen Seeleute diese gefährliche Situation.
Im Brandungsgürtel wirft Clasen Anker. Es gibt kein Vor und Zurück mehr. „Hätten wir den Anker wieder eingeholt, wären wir gestrandet“, schildert er. Trotzdem hat er noch Vertrauen in sein Boot. „Ich hätte die Nacht an Bord verbracht, aber meine Tochter…“Inga Roland kämpft mit schwerer Seekrankheit. Sie verliert mehr Flüssigkeit als die trinken kann. Die Situation wird gefährlich. Clasen hat kein Funkgerät an Bord. Via Handy telefoniert er mit seinem Sohn. Der fackelt nicht lange: Anruf in der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS.
Gegen 19.25 Uhr schrillt auf dem Seenotkreuzer THEO FISCHER/Station Darßer Ort die Alarmglocke. Jeder der vier Rettungsmänner an Bord weiß sofort: Die bevorstehende Fahrt wird alles andere als ein Spaziergang. Rettungen aus der Brandung gehörten schon immer zu den schwierigsten und gefährlichsten Einsätzen der Seenotretter. Alle DGzRS-Einheiten sind deshalb so gebaut, dass sie auch heftige Grundstöße und – Berührungen überstehen: Man weiß ja nie…
Die THEO FISCHER kämpft sich vor Darßer Ort durch hohe Wellen. Trotzdem dauert die Suche vergleichsweise kurz – nicht zuletzt dank der ausgeprägten Revierkenntnis der Seenotretter. Keine 100 Meter vor dem Darßer Weststrand finden sie das kleine Boot, dass im nur 1,5 Meter tiefen Wasser regelrecht tanzt.
Der schwierigste Teil des Einsatzes steht den Seenotrettern jedoch noch bevor. Mit dem flachgehenden Tochterboot STRÖPER nähern sie sich dem Havaristen. Die Übernahme des Skippers und seiner Tochter gestaltet sich schwierig. Dank immer wieder geübter Handgriffe benötigt die erfahrene Tochterboot – Besatzung dennoch nur drei Anläufe, bis die beiden sicher an Bord sind. Zurück geht es auf den Seenotrettungskreuzer.
Die freiwilligen Seenotretter der Station Prerow/Wieck, die sich mit ihrem geländegängigen Allradfahrzeug strandseitig der Unfallstelle genähert hatten, um das Unternehmen von Land aus abzusichern, übernehmen im Nothafen Darßer Ort die völlig erschöpften, durchnässten und unter Schock stehenden Geretteten – nicht ohne bereits trockene Kleidung und eine Unterkunft für die Nacht organisiert zu haben. „Die Hilfsbereitschaft der Seenotretter, auch später an Land, war grenzenlos groß. Ihnen allen gilt unser aufrichtiger Dank!“, ist Clasen noch heute erleichtert. Sein Vertrauen in das zurückgelassene Boot „Brummer“ bestätigte sich: Nach dem Sturm fuhr er es völlig unbeschädigt selbst sicher nach Wismar.
Erneut hat sich bei diesem Einsatz die Notwendigkeit gezeigt, gerade in diesem Bereich der Ostseeküste ein DGzRS – Station vorzuhalten, von der aus die Seenotretter in Notfällen unmittelbar und schnell eingreifen können.
AWN-Kunden und Freunde wissen es: Wir unterstützen die Seenotretter schon seit vielen Jahren und werden das auch gern weiterhin tun.

Die Seenotretter sind immer dankbar für ihre Unterstützung!