Winterlager Ratgeber

Segelboot im Winter im Wasser

Vorbereitung des Bootes auf das Winterlager

Sind die warmen Monate vorbei, so tut sich für die meisten Bootseigner und -eignerinnen auch die Frage nach dem richtigen Winterlager für die Segeljacht oder das Motorboot auf. Denn sobald die Temperaturen auf Minusgrade sinken, sollte das Boot vor witterungsbedingten Schäden geschützt und für die neue Segelsaison vorbereitet werden. Wie Sie hierbei vorgehen und was es alles zu beachten gilt, haben wir in diesem Ratgeber für Sie zusammengefasst.

Den richtigen Ort für das Winterlager wählen

Bei der Wahl des passenden Winterlagers spielen verschiedene Faktoren eine wichtige Rolle: So möchten einige lediglich ihr Boot einlagern und erst im Frühjahr wieder Klarschiff machen. Andere nutzen die kühle Jahreszeit, um an Ihrem Boot verschiedene Bootsreparaturen durchzuführen oder neue Antifoulings aufzutragen.

1) Überwintern an Land oder im Wasser?

Das Boot im Wasser überwintern zu lassen ist in der Regel eine preisgünstigere Variante, die dem Geldbeutel zugutekommt. Hierdurch können Kosten beim Kranen und Hallenplatz vermieden werden. Zudem besteht im Spätherbst und in milderen Wintern weiterhin die Möglichkeit, die nun leeren Segelreviere zu erkunden. Mit der richtigen Segelbekleidung und Heizung unter Deck sind Sie hierfür bestens ausgestattet.

Was beim Überwintern im Wasser natürlich fehlt, ist die Möglichkeit, das Unterwasserschiff genauer zu überprüfen und für die kommende Saison aufzubereiten. Auch die Wetterlage muss stets im Blick behalten und entsprechend schnell gehandelt werden. Daher stellen Lagerplätze an Land eine sicherere Alternative dar. Hier kann das Boot umfänglich wieder auf Vordermann gebracht werden.

2) Boot einwintern im Freilager oder in der Halle?

Haben Sie sich für ein Winterlager an Land entschieden, bleibt noch die Frage nach dem gewünschten Lagerplatz. Es gibt die kostenintensivere Möglichkeit, sein Schiff in einer mitunter auch beheizten und trockenen Halle oder im Außenbereich von Verein oder Werft aufzubocken. Letztere Variante ist preiswerter und bindet Ihre Reparaturen auch an die Wetterlage. Bei einem Hallenplatz hingegen sind Sie flexibler, müssen aber in der Regel auch tiefer in die Tasche greifen.

winterlager freilager

Diese Arbeiten fallen im Winterlager an

Bei den Bootsarbeiten für das Winterlager bietet es sich an, systematisch und Schritt für Schritt vorzugehen. Bestenfalls machen Sie sich zuvor einen Plan und besorgen die nötigen Materialien sowie Werkzeuge. Welche Tätigkeiten konkret anfallen können, haben wir im Folgenden für Sie aufgeführt.

1) Gegenstände vor dem Einwintern vom Boot entfernen

Damit Ihr Boot optimal auf sämtliche Bootsarbeiten und das Winterlager vorbereitet ist, sollten einige Gegenstände entfernt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie sich für ein Freilager, den Liegeplatz im Hafen oder ein Winterlager in der Halle entschieden haben.

  • Neben den Lebensmitteln empfiehlt es sich insbesondere Dokumente, Bücher und Seekarten von Bord zu nehmen, damit diese nicht durch die hohe Luftfeuchtigkeit beschädigt werden.
  • Textilien und Polster sollten im Idealfall bis zur nächsten Saison im trockenen Keller oder einer anderen Abstellmöglichkeit zu Hause gelagert werden. Ist dies nicht möglich, können sie hochkant aufgestellt werden, um für eine bessere Belüftung zu sorgen.
  • Diverse Rettungsmittel wie Rettungswesten und -inseln oder auch Feuerlöscher sind nicht für Temperaturen unter 0 °C geeignet. In den Wintermonaten bietet es sich zudem an, entsprechende Ausrüstung zu reinigen und fachlich warten zu lassen.
  • Gasflaschen müssen aus Sicherheitsgründen unbedingt von Bord genommen werden.
  • Damit Sie in der nächsten Saison direkt Ihre Segel hissen und lossegeln können, sollten diese gründlich mit Süßwasser gereinigt und anschließend ordentlich getrocknet werden. Erst anschließend können sie zusammengefaltet und vor Kälte geschützt gelagert werden.
  • Auch sämtliches Tauwerk ist mit Süßwasser von Salzrückständen zu befreien. Im Anschluss kann das durchgetrocknete Material auf Schädigungen kontrolliert und das Tauwerk aufgeschossen werden.
  • Eine individuelle Entscheidung stellt das Entfernen von Wertgegenständen, je nachdem, wie sicher Sie die Umgebung Ihres Winterlagers einschätzen, könnte es sinnvoll sein, Elektrogeräte und andere hochwertige Ausrüstung mit nach Hause zu nehmen.

Aufgeschossenes Tauwerk

2) Wassertanks und Leitungen an Bord entleeren

Das Entleeren von Wassertank und Wasserleitungen ist ein obligatorischer Schritt bei den Vorbereitungen aufs Winterlager. Besonders bei Minusgraden und gefrorenem Wasser kann es zu Beschädigungen kommen, die im Nachhinein kostenintensiv werden können. Nachdem der Trinkwassertank geleert ist, sollte dieser zudem gereinigt und mit Frostschutzmitteln befüllt werden. Wenn Sie danach die Wasserhähne und Dusche laufen lassen, kommt das verfärbte Wasser zum Vorschein. Bei geöffneten Ventilen kann auch nachträglich noch Wasser ablaufen.

Ähnlich verhält es sich mit der Bootstoilette und dem Fäkalientank. Diese werden ebenfalls geleert und gereinigt. Die Bordtoilette muss zudem ebenfalls mit einem Frostschutzmittel gefüllt werden.

Mit einem letzten Blick in die Bilge sollten vor dem Winterlager sämtliche Wasser- und Ölreste mit einem Schwamm oder Tuch aufgenommen werden. Wenn sie trocken ist, können Sie die Bodenbretter der Bilge für eine gute Belüftung aufstellen.

3) Bootsrumpf und Unterwasserschiff für das Winterlager aufbereiten

Ist klar, wie und wo das Boot überwintern soll, können die Arbeiten an diesem geplant werden. Sofern Sie Ihr Segelboot oder die Motoryacht trockenlegen und das Boot aufbocken, können umfassendere Arbeiten an Rumpf und Unterwasserschiff durchgeführt werden. Hierbei ist zunächst eine gründliche Bootsreinigung als auch ein vollständiges Trocknen zu empfehlen. Im Anschluss daran können Sie das Unterwasserschiff auf Schäden kontrollieren und kleinere Beschädigungen am Boot ausbessern. Hierfür eignet sich der Einsatz von Spachtelmasse. Wenden Sie sich unbedingt an Fachpersonal, wenn Ihnen größere Schäden oder Osmosebläschen auffallen.

Die Herbstmonate eignen sich aufgrund der milden Temperaturen bereits gut zum Neuanstrich des Unterwasserschiffs. Beachten Sie jedoch in jedem Fall die Empfehlungen des Antifouling-Herstellers, denn einige Antifoulings sollten erst kurz vor dem Kran-Termin aufgetragen werden.

Tipp: Weitere hilfreiche Tipps zur Bootspflege finden Sie auch in unserem Ratgeber zum Reinigen und Polieren.

Auftragen von Antifouling am Boot

4) Was mache ich im Winterlager mit der Bordelektrik?

Auch die Bordelektrik sollte möglichst winterfest gemacht werden. Das bedeutet nicht, dass vernetzte Geräte entfernt werden müssen, da deren Verbindungen sonst gegebenenfalls beschädigt oder gegen Korrosion unwirksam werden. Vielmehr sollten Sie darauf achten, Bildschirme und Geräte mit passenden Abdeckungen zu versehen. Diese bieten zuverlässigen Schutz vor Verstauben und Beschädigung. Schalter und Sicherungskästen hingegen können Sie mit sogenannten Konservierungssprays besprühen. Diese schützen vor eindringender Feuchtigkeit sowie Korrosion und wirken pflegend.

Sämtliche Batterien wie Haus- oder Starterbatterien sollten jedoch bei Saisonende ausgebaut und gewartet werden. Gleiches gilt für batteriebetriebene Handgeräte wie Taschenlampen oder Funkgeräte, sofern Sie diese an Bord überwintern lassen wollen.

Grundsätzlich gilt: Moderne Technik für Boote ist in der Regel auf mitteleuropäische Temperaturen vorbereitet, sodass hier keine Kälteschäden zu erwarten sind. Einzig Batterien sind regelmäßiger zu überprüfen und gegebenenfalls vom Boot zu entfernen, da diese auslaufen oder bei Frost platzen können.

5) Einwintern von Segelbooten

Segelboote haben einige Bauelemente, die zusätzlich beachtet werden müssen. Schauen Sie sich insbesondere Rigg und Kiel an. Hier sind die verschiedenen Komponenten auf etwaige Haarrisse zu inspizieren und entsprechend auszutauschen. Sofern möglich, sollte auch die Mastelektrik eingehender untersucht werden, damit diese vor Korrosion oder Kurzschlüssen geschützt ist.